Mikronährstoffe in Komplettdüngern: Wie viel steckt wirklich drin?
Kurz erklärt
Ein Komplettdünger liefert neben Stickstoff, Phosphor und Kalium auch Eisen, Mangan, Zink, Bor, Kupfer und Molybdän in einem Produkt. Mengenmäßig machen Mikronährstoffe dabei nur einen winzigen Bruchteil aus: Während Hauptnährstoffe in Gramm pro Liter dosiert werden, liegen Mikronährstoffe meist im Milligramm-Bereich. Ein vollständiger Komplettdünger deckt den Bedarf über den gesamten Zyklus in der Regel bereits ab, sodass zusätzliche Mikronährstoff-Präparate meist unnötig sind und das Risiko einer Überdosierung erhöhen.
Inhalt(7 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- Größenordnung
- Hauptnährstoffe in g/l, Mikronährstoffe in mg/lBeispiel Kräuter-Nährlösung: 150 ppm Stickstoff, aber nur 1,0 ppm Eisen
- Kleinster Anteil
- Kupfer und Molybdän meist unter 0,1 ppmRichtwert aus einer Beispielrezeptur, je nach Kultur und Hersteller abweichend
- Chelatform Eisen
- Fe-EDTA, Fe-DTPA oder Fe-EDDHAje nach pH-Bereich unterschiedlich stabil
- Vollständig vs. unvollständig
- Komplettdünger deckt N, P und K abein unvollständiger Dünger lässt mindestens einen Hauptnährstoff aus
Was einen Dünger zum Komplettdünger macht
Ein Komplettdünger liefert alle drei Hauptnährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium in einem einzigen Produkt, meist ergänzt um Calcium, Magnesium, Schwefel und die Mikronährstoffe Eisen, Mangan, Zink, Bor, Kupfer und Molybdän. Fehlt einer der drei Hauptnährstoffe vollständig, handelt es sich um einen unvollständigen oder Einzelnährstoffdünger, der gezielt eine Lücke schließen soll, etwa reiner Stickstoffdünger auf einem ohnehin phosphat- und kalireichen Substrat. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil ein Komplettdünger bei einem Substrat, das bestimmte Nährstoffe bereits reichlich enthält, unnötig hohe Gesamtmengen liefern und im Extremfall Wurzeln schädigen kann.
Mikronährstoffe sind in einem Komplettdünger fester Bestandteil der Rezeptur, aber nicht gleichrangig zu den Hauptnährstoffen dosiert. Sie ergänzen die Hauptnährstoffe, weil Cannabis ohne sie kein funktionierendes Chlorophyll, keine intakten Zellwände oder Enzyme aufbauen kann, auch wenn die benötigte Menge um Größenordnungen kleiner ausfällt.
Wie klein der Mikronährstoffanteil tatsächlich ist
Der Größenunterschied zwischen Haupt- und Mikronährstoffen lässt sich gut an einer veröffentlichten Nährlösungsrezeptur zeigen. In einer von einer US-amerikanischen Universitätsberatung dokumentierten Rezeptur für Kräuter stehen 150 ppm Stickstoff, 31 ppm Phosphor und 210 ppm Kalium gerade einmal 1,0 ppm Eisen, 0,25 ppm Mangan, 0,16 ppm Bor, 0,13 ppm Zink, 0,024 ppm Molybdän und 0,023 ppm Kupfer gegenüber. Stickstoff liegt damit etwa um den Faktor 150 höher als Eisen und um mehr als das 6.000-Fache höher als Kupfer.
Diese Rezeptur ist nur ein Beispiel, kein universeller Zielwert, doch das grundsätzliche Verhältnis ist typisch: Mikronährstoffe werden in Milligramm pro Liter (mg/l bzw. ppm) bemessen, Hauptnährstoffe in Gramm pro Liter. Für die Praxis bedeutet das, dass schon kleine Dosierfehler bei Mikronährstoff-Konzentraten prozentual viel stärker ins Gewicht fallen als dieselbe Abweichung bei einem Hauptnährstoffdünger.
Welche Form die Mikronährstoffe im Dünger haben
In wasserlöslichen Komplettdüngern liegen Eisen, Mangan, Zink und Kupfer meist als Chelat vor, einer Verbindung, die das Metallion umschließt und über einen bestimmten pH-Bereich hinweg gelöst hält. Bei Eisen sind Fe-EDTA, Fe-DTPA und Fe-EDDHA gebräuchlich; sie unterscheiden sich vor allem darin, bis zu welchem pH sie das Eisen noch in Lösung halten, und im Preis. Die Unterschiede zwischen diesen Chelatformen und wann sich die teurere Variante lohnt, erklärt der Artikel zu Eisen ausführlich, weil sie dort im Zusammenhang mit Eisenmangel ohnehin relevant sind.
Bor und Molybdän werden dagegen meist nicht als Chelat, sondern als einfaches lösliches Salz zugesetzt, weil sie über einen weiteren pH-Bereich hinweg löslich bleiben. Welche genaue Verbindung ein Hersteller verwendet, steht in der Regel nicht im Detail auf dem Etikett, wohl aber, welche Mikronährstoffe überhaupt enthalten sind.
Warum sich Erde-, Coco- und Hydro-Komplettdünger unterscheiden
Komplettdünger für unterschiedliche Anbaumethoden sind nicht identisch zusammengesetzt, weil das Substrat selbst einen Teil der Versorgung übernehmen kann oder eben nicht. Torfbasierte oder mit Kompost angereicherte Erde bringt häufig bereits eine gewisse Grundmenge an Mikronährstoffen mit und puffert pH-Schwankungen ab, wodurch ein für Erde formulierter Dünger tendenziell schlanker dosiert sein kann. In Coco, Steinwolle oder Hydrokulturen dagegen ist das Medium weitgehend inert: Es liefert selbst keine Nährstoffe, sodass die Nährlösung den kompletten Bedarf abdecken muss.
Das ist auch der Grund, warum in Hydro- und Coco-Systemen eine kleine pH-Abweichung schneller spürbar wird als in gepufferter Erde. Eine aktuelle Untersuchung an Cannabis sativa hat allerdings gezeigt, dass bei normal, also komplettdünger-typisch dosierten Mikronährstoffen selbst ein deutlich abweichender Substrat-pH nicht automatisch zu einer toxischen Anreicherung führte. Das eigentliche Risiko entsteht eher durch das Zusammenspiel aus falschem pH und einer zusätzlichen, über die Komplettdüngung hinausgehenden Mikronährstoffgabe, wie der Artikel zum Mikronährstoffüberschuss genauer beschreibt.
Typische Fehler beim Umgang mit Komplettdüngern
Zusätzliche Mikronährstoff-Booster „zur Sicherheit“ einsetzen. Ein vollständiger Komplettdünger deckt den Bedarf über den gesamten Zyklus meist bereits ab. Zusätzliche Produkte mit überlappendem Gehalt erhöhen vor allem das Risiko einer Überdosierung, nicht die Wachstumsleistung.
Cal-Mag-Produkte pauschal mit jedem Gießen zugeben, ohne zu wissen, ob der Komplettdünger und das Wasser Calcium und Magnesium nicht ohnehin schon ausreichend liefern. Das kann einzelne Elemente unbeabsichtigt verdoppeln.
Die kleine Menge an Mikronährstoffen unterschätzen und beim Nachmischen ungenau dosieren. Weil Mikronährstoffe nur in sehr geringen Konzentrationen wirken, fallen Mess- und Dosierfehler hier prozentual stärker ins Gewicht als bei Hauptnährstoffen.
Ein Etikett ohne vollständige NPK-Angabe für einen Komplettdünger halten. Fehlt einer der drei Hauptnährstoffe, handelt es sich um einen Einzel- oder Ergänzungsdünger, der einen bestehenden Komplettdünger ergänzen, aber nicht ersetzen soll.
Bei Mangelsymptomen sofort einen neuen Mikronährstoff-Dünger kaufen, statt zuerst pH und Gesamtdosierung des bereits verwendeten Komplettdüngers zu prüfen. Häufig liegt die Ursache nicht am fehlenden Element, sondern an dessen eingeschränkter Verfügbarkeit.
Einen Überblick über die einzelnen Elemente und ihre Funktion gibt die Kategorie Mikronährstoffe.
Häufige Fragen
Brauche ich neben einem Komplettdünger noch ein extra Mikronährstoff-Produkt?
In den meisten Fällen nein. Ein für den jeweiligen Anbau (Erde, Coco oder Hydro) entwickelter Komplettdünger enthält Mikronährstoffe bereits in einer auf die Hauptnährstoffe abgestimmten Menge. Ein zusätzliches Produkt lohnt sich höchstens gezielt, wenn eine Blattanalyse oder ein wiederkehrendes Mangelsymptom ein einzelnes Element als Engpass zeigt.
Warum enthalten manche Komplettdünger für Erde weniger Mikronährstoffe als solche für Hydro?
Weil Substrate wie torfbasierte Erde oder Kompostanteile oft schon eine gewisse Grundmenge an Mikronährstoffen mitbringen oder puffernd wirken. In Hydro- und Coco-Systemen liefert dagegen ausschließlich die Nährlösung alle Nährstoffe, weil das Medium selbst inert ist oder kaum Reserven besitzt.
Kann ein Komplettdünger allein zu einem Mikronährstoffüberschuss führen?
Bei bestimmungsgemäßer Dosierung und passendem pH-Wert selten, weil die enthaltenen Mengen auf den gesamten Nährstoffbedarf abgestimmt sind. Häufiger entsteht ein Überschuss, wenn zusätzliche Produkte mit überlappendem Gehalt eingesetzt werden oder der pH stark abweicht. Mehr dazu im Artikel zum [Mikronährstoffüberschuss](/wissen/mikronaehrstoffueberschuss).
Woran erkenne ich auf dem Etikett, ob ein Dünger wirklich vollständig ist?
An der vollständigen Deklaration aller drei Hauptnährstoffe (meist als NPK-Zahlenfolge) sowie einer Liste der enthaltenen Mikronährstoffe, oft mit der jeweiligen chemischen Verbindung dahinter. Fehlt einer der Hauptnährstoffe komplett oder werden nur ein bis zwei Mikronährstoffe genannt, handelt es sich eher um ein Ergänzungsprodukt als um einen echten Komplettdünger.
Sind teurere Chelatformen wie Fe-EDDHA automatisch die bessere Wahl?
Nein, sie lohnen sich vor allem bei hohem Substrat-pH oder kalkhaltigem Wasser, weil sie Eisen dann noch in Lösung halten, wenn einfachere Chelate bereits ausfallen. Im üblichen Coco- oder Hydro-Bereich von pH 5,8 bis 6,2 reichen die günstigeren Fe-EDTA oder Fe-DTPA meist aus. Details dazu stehen im Artikel zu [Eisen](/wissen/eisen).
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Quellen
- Hydroponic Systems: Nutrient Solution Programs and Recipes Mattson, Peters – Penn State Extension, 2024Beispielrezeptur (modifizierte Sonneveld-Lösung) zeigt die Größenordnung: 150 ppm Stickstoff stehen 1,0 ppm Eisen, 0,25 ppm Mangan, 0,13 ppm Zink, 0,16 ppm Bor, 0,024 ppm Molybdän und 0,023 ppm Kupfer gegenüber.
- Fertilizer Fundamentals: How to Choose the Right One Sirchia – UF/IFAS Extension Pasco County, 2024Unterscheidung zwischen vollständigen (N-P-K) und unvollständigen Düngern; ein Volldünger kann bei bereits ausreichend versorgtem Boden zu Überdüngung und Verätzung führen.
- Fertigation with Fe-EDTA, Fe-DTPA, and Fe-EDDHA Chelates to Prevent Iron Chlorosis of Sensitive Species in High-pH Soilless Media Hershkowitz, Dey, Heins, Bugbee – HortScience 60, 2025Fe-EDTA bindet Eisen bis pH 6,5, Fe-DTPA bis 7,5, Fe-EDDHA bis 9; die teureren Chelate lohnen sich nur bei entsprechend hohem pH.
- Impact of substrate pH and micronutrient fertility rates on Cannabis sativa Veazie, Cockson, Smith, Schulker, Jackson, Hicks, Whipker – Agrosystems, Geosciences & Environment 8, 2025Bei normaler, komplettdünger-typischer Mikronährstoffkonzentration kam es selbst bei niedrigem Substrat-pH zu keiner toxischen Anreicherung in Cannabis sativa.
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