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LED-Alterung: Wie schnell lässt die Lichtleistung einer Grow-LED nach?

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

LEDs fallen selten abrupt aus, verlieren aber über Jahre langsam an Lichtleistung – einen Prozess, den die Lichttechnik als Lumen- oder Photonenflussdepreciation bezeichnet. Industrienormen für Gartenbauleuchten setzen als Schwellenwert einen erhaltenen Photonenfluss von mindestens 90 % nach 36.000 Betriebsstunden an. Wärme und hoher Betriebsstrom beschleunigen die Alterung der Chips; häufiger als die LEDs selbst fällt in der Praxis jedoch der Treiber aus. Ohne Messgerät bleibt die Alterung meist unbemerkt, bis Pflanzen spürbar schwächer wachsen.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Schwellenwert für Gartenbau-LEDs
Q90 ≥ 36.000 StundenPhotonenfluss (400–700 nm) bleibt laut Industrienorm mindestens 90 % des Ausgangswerts
Klassische Lichttechnik-Definition
B50/L70die Hälfte einer Leuchtenpopulation fällt unter 70 % des ursprünglichen Lichtstroms
Treiberlebensdauer in Industrienormen
häufig ≥ 50.000 Stunden angesetzt
Wichtigste Alterungstreiber
Sperrschichttemperatur und Betriebsstrom
Katastrophale LED-Ausfälle
in Tests seltenhäufiger fällt der Treiber aus als der LED-Chip selbst

Was LED-Alterung eigentlich bedeutet

LEDs altern anders, als die meisten es von klassischen Leuchtmitteln kennen: Statt plötzlich durchzubrennen, geben sie über Jahre hinweg langsam an Lichtleistung ab. Die Lichttechnik nennt das Lumendepreciation, im Gartenbau spezifischer Photonenflussdepreciation, weil dort nicht die für das menschliche Auge gewichteten Lumen zählen, sondern die tatsächliche Zahl der Photonen im nutzbaren Spektrum.

Zur Einordnung dienen standardisierte Kennzahlen. Die klassische Definition B50/L70 beschreibt den Zeitpunkt, zu dem die Hälfte einer Leuchtenpopulation unter 70 % ihres ursprünglichen Lichtstroms gefallen ist. Für Gartenbauleuchten hat sich davon abgeleitet die Bezeichnung Q90 etabliert: Sie verlangt von Industrienormen gelisteten Produkten einen Photonenfluss von mindestens 90 % des Ausgangswerts nach mindestens 36.000 Betriebsstunden, gemessen im photosynthetisch aktiven Bereich von 400 bis 700 nm. Diese Werte stammen aus standardisierten Prüfverfahren, in denen einzelne LED-Pakete oder ganze Leuchten über mehrere tausend Stunden vermessen und die Ergebnisse rechnerisch auf die volle Laufzeit hochgerechnet werden.

Was die Alterung beschleunigt

Zwei Faktoren stehen bei der LED-Alterung im Vordergrund: die Sperrschichttemperatur – die Temperatur direkt am Halbleiterübergang – und der Betriebsstrom. Je heißer und je stärker eine LED betrieben wird, desto schneller lässt in der Regel ihre Lichtleistung nach. Das erklärt, warum konsequente Kühlung und ein nicht überzogener Betriebsstrom nicht nur die kurzfristige Effizienz verbessern, sondern auch die langfristige Alterung verlangsamen, wie im Artikel zur LED-Wärme beschrieben.

Wie stark sich Alterung zwischen Produkten unterscheidet, hängt stark vom Hersteller und der verwendeten LED-Qualität ab; die Bandbreite ist deutlich größer als bei etablierten Leuchtmitteln wie Leuchtstoffröhren. Eine Übersichtsarbeit zur LED-Effizienz im Gartenbau weist ausdrücklich darauf hin, dass Alterungsraten zwischen Herstellern stark schwanken können – ein pauschaler Wert für „die“ Alterungsgeschwindigkeit von LEDs existiert deshalb nicht.

Auch die Dimmung spielt indirekt eine Rolle: Wer eine Leuchte dauerhaft am oberen Limit betreibt, um mit möglichst wenigen Chips eine hohe Lichtstärke zu erreichen, arbeitet näher an der Belastungsgrenze der Dioden als bei moderatem Betrieb mit mehr Chips oder etwas geringerer Dimmstufe. Das ist kein Grund, auf hohe Lichtstärken zu verzichten, aber ein Argument dafür, Leuchten nicht dauerhaft am äußersten Rand ihrer Spezifikation zu fahren, wenn eine leistungsfähigere Alternative zur Verfügung steht.

Woran sich Alterung in der Praxis zeigt

Weil der Lichtverlust über Jahre verteilt und graduell verläuft, ist er mit bloßem Auge praktisch nicht wahrnehmbar. Die einzige verlässliche Methode ist eine wiederholte PPFD-Messung an derselben Stelle, bei gleicher Höhe und Dimmstufe wie beim ersten Messwert. Ein spürbarer Rückgang über mehrere Jahre – etwa deutlich mehr als die in Normen tolerierten 10 % – ist ein sachlicher Hinweis auf Alterung, während einzelne, punktuell schwächer wachsende Pflanzen meist andere Ursachen haben.

Ein zusätzlicher, seltener beachteter Effekt betrifft das Spektrum: In Leuchten, die mehrere Diodentypen kombinieren, etwa weiße Chips mit zusätzlichen roten Dioden, können einzelne Farbkanäle unterschiedlich schnell altern. Reliabilitätsuntersuchungen an LED-Leuchten beschreiben genau diesen Effekt als Ursache für einen langsamen Farbversatz über die Betriebsdauer. Wie relevant das für das Pflanzenwachstum ist, lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht seriös beziffern.

Treiber vor LED-Chip: Was zuerst versagt

Alterung betrifft nicht nur die Lichtausbeute der Chips, sondern die ganze Leuchte. Belastungstests an LED-Leuchten zeigen übereinstimmend, dass katastrophale Ausfälle einzelner LED-Chips selten sind, während der Treiber deutlich häufiger vollständig versagt – meist durch gealterte Kondensatoren. Für die Praxis heißt das: Eine Leuchte, deren Licht über Jahre nur langsam schwächer wird, kann trotzdem plötzlich ganz ausfallen, weil nicht die LEDs, sondern die Elektronik der Stromversorgung an ihr Lebensende kommt.

Typische Fehler und Irrtümer bei der Einschätzung von LED-Alterung

  • Alterung mit plötzlichem Ausfall gleichsetzen. LEDs werden in aller Regel langsam schwächer statt plötzlich auszufallen; ein abrupter Komplettausfall deutet eher auf den Treiber hin.

  • Schwächeres Pflanzenwachstum vorschnell der LED-Alterung zuschreiben. Nährstoff-, Klima- oder Bewässerungsprobleme sind weitaus häufiger die Ursache als ein über Jahre kaum merklicher Lichtverlust.

  • Eine hohe Wattzahl mit langsamer Alterung verwechseln. Wattzahl sagt nichts über die Qualität der verbauten Chips, des Treibers oder der Kühlung aus, die tatsächlich über die Alterungsgeschwindigkeit entscheiden.

  • Auf sichtbaren Lichtverlust warten, statt zu messen. Weil sich das Auge sehr gut an langsame Helligkeitsänderungen anpasst, fällt ein Rückgang von 10 % oder mehr ohne Messgerät praktisch nicht auf.

  • Alterungswerte aus allgemeinen LED-Lampen auf Gartenbauleuchten übertragen. Betriebsbedingungen, Kühlung und Anspruch an die Farbtreue unterscheiden sich deutlich von Haushaltslampen, weshalb sich Lebensdauerangaben nicht direkt vergleichen lassen. Mehr zum Umfeld dieser Kennzahlen in der Kategorie LED-Beleuchtung.

Häufige Fragen

Woran merke ich, dass meine LED gealtert ist, wenn ich kein Messgerät habe?

Ohne PPFD-Messgerät ist Alterung kaum sicher zu erkennen, weil der Lichtverlust langsam und über Jahre verteilt geschieht. Ein Hinweis kann sein, dass Pflanzen bei unveränderter Höhe und Dimmstufe über die Zeit tendenziell schwächer wachsen, aber dafür kommen auch viele andere Ursachen infrage.

Verändert sich beim Altern auch das Lichtspektrum?

Bei Leuchten mit mehreren Diodentypen, etwa weißen und zusätzlichen roten Chips, können einzelne Farben unterschiedlich schnell altern, wodurch sich der Farbeindruck über Jahre leicht verschieben kann. Wie stark sich das auf das Pflanzenwachstum auswirkt, ist wenig erforscht und dürfte gegenüber dem allgemeinen Lichtverlust eine untergeordnete Rolle spielen.

Verkürzt starkes Dimmen die Lebensdauer der LED?

Eher im Gegenteil: Moderates Dimmen senkt meist die Betriebstemperatur und kann die Alterung dadurch verlangsamen, weil Temperatur einer der Hauptfaktoren ist. Eine pauschale Zahl, um wie viel sich die Lebensdauer verlängert, lässt sich aber nicht seriös angeben.

Wann sollte ich eine gealterte Lampe ersetzen?

Ein sinnvoller Anhaltspunkt ist eine gemessene PPFD, die spürbar unter den Werten liegt, die die Lampe zu Beginn erreicht hat – vorausgesetzt, Höhe und Dimmstufe sind unverändert. Ohne Messung bleibt nur die grobe Orientierung an der vom Hersteller genannten Lebensdauer und an sichtbaren Auffälligkeiten wie einzelnen ausgefallenen Dioden.

Ist eine lange Herstellergarantie ein Beleg für langsame Alterung?

Eine lange Garantie ist ein Indiz für das Vertrauen des Herstellers in die eigene Verarbeitung, aber kein direkter Messwert für die Lichtalterung. Aussagekräftiger sind konkrete Angaben zu Photonenflusserhalt über die Betriebsstunden, sofern sie im Datenblatt stehen.

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Quellen

  1. Technical Requirements for LED-Based Horticultural Lighting, Version 4.0 DesignLights Consortium, 2025Definiert Q90 als Schwellenwert für den Erhalt des Photonenflusses (400–700 nm) von mindestens 90 % nach 36.000 Stunden sowie Anforderungen an Treiberlebensdauer (≥ 50.000 h) und Garantie (≥ 5 Jahre).
  2. From physics to fixtures to food: current and potential LED efficacy Kusuma, Pattison, Bugbee – Horticulture Research 7, 2020Erläutert die L70-Definition, nennt Sperrschichttemperatur und Stromdichte als zentrale Alterungsfaktoren und weist darauf hin, dass sich Alterungsraten zwischen Herstellern stark unterscheiden können.
  3. LED Luminaire Lifetime: Recommendations for Testing and Reporting LED Systems Reliability Consortium – U.S. Department of Energy Solid-State Lighting Program, 2014Definiert B50/L70, zeigt anhand von Belastungstests, dass katastrophale LED-Chip-Ausfälle selten sind und der Treiber meist zuerst versagt, und beschreibt Farbverschiebung bei Leuchten mit mehreren Diodentypen durch unterschiedliche Alterung der Farbkanäle.

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