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Lollipopping: Warum du den unteren Teil der Pflanze kahl schneidest

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

Lollipopping bedeutet, den unteren Teil einer Cannabispflanze – meist das untere Drittel – von kleinen Seitentrieben und ihren Blättern zu befreien, sodass ein kahler Stängel wie ein Lolli-Stiel übrig bleibt. Ziel ist, Energie von den ohnehin schwach beleuchteten unteren Blütenansätzen auf die oberen Blüten zu lenken und die Luftzirkulation im unteren Bestand zu verbessern. Eine Studie fand dadurch aber keinen signifikanten Ertragsvorteil gegenüber unbehandelten Pflanzen, bestätigte jedoch, dass untere Blütenstände ohnehin deutlich weniger und schwächere Blüten liefern.

Inhalt(8 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Betroffener Bereich
meist unteres Drittel des Haupttriebskleine Seitentriebe und deren Blätter, keine großen, gut belichteten Blütenstände
Ertragseffekt in einer Studie
kein signifikanter Unterschied zu unbehandelten PflanzenTopping allein ergab signifikant mehr Blüten- und Blattmasse als Lollipopping
CBD-Konzentration nach Höhe
oben 9,9 %, Mitte 8,2 %, unten 7,7 %gleiche Studie; unteres Drittel lieferte auch absolut den geringsten CBD-Ertrag pro Pflanze
Fäulnisrisiko
Grauschimmel entwickelt sich bei Cannabis rasch über ca. 70 % relativer Luftfeuchteein dichter unterer Bestand begünstigt genau dieses Mikroklima

Was Lollipopping ist und welcher Bereich betroffen ist

Lollipopping bezeichnet das gezielte Entfernen kleiner Seitentriebe und ihrer Blätter im unteren Bereich einer Cannabispflanze, meist im unteren Drittel des Haupttriebs. Übrig bleibt ein weitgehend kahler unterer Stängel mit belaubter Krone darüber – daher der Name, der an einen Lutscher am Stiel erinnert. Anders als bei der allgemeinen Entlaubung, die einzelne große Fächerblätter an der ganzen Pflanze betrifft, konzentriert sich Lollipopping bewusst auf einen bestimmten Höhenbereich.

Betroffen sind vor allem kleine, schwach entwickelte Seitentriebe, die ohnehin kaum Licht abbekommen, sowie die Blätter direkt an diesen Trieben. Größere, gut belichtete Blütenstände im mittleren und oberen Bereich bleiben unangetastet. Die Idee dahinter: Ressourcen, die sonst in wenig ertragreiche untere Blütenansätze fließen würden, sollen stattdessen den stärker beleuchteten oberen Blüten zugutekommen.

Warum die unteren Blütenansätze ohnehin schwächer sind

Licht nimmt in einem Pflanzenbestand von oben nach unten deutlich ab, und Pflanzen registrieren diesen Schatten über Phytochrome – Lichtrezeptoren, die auch das Verhältnis von Hell- zu Dunkelrotlicht erkennen. Nach einer Übersichtsarbeit zur Schattenvermeidung reagieren beschattete Pflanzenteile mit verändertem, meist schwächerem Wachstum. Für Cannabis bestätigt eine Studie an medizinischem Cannabis diesen Zusammenhang mit konkreten Zahlen: Der Gesamt-CBD-Gehalt der Blütenstände lag im oberen Pflanzendrittel bei 9,9 %, in der Mitte bei 8,2 % und unten nur bei 7,7 %. Auch absolut lieferte das untere Drittel mit rund 157 mg CBD pro Pflanze deutlich weniger als Mitte und oben mit jeweils über 530 mg.

Diese Zahlen erklären die Grundidee hinter Lollipopping: Wenn untere Blütenansätze ohnehin wenig zum Gesamtertrag beitragen, könnte es sich lohnen, ihre Bildung gar nicht erst zuzulassen und die frei werdenden Ressourcen den ertragreicheren oberen Blüten zu überlassen. Ob dieser Rechnung in der Praxis tatsächlich aufgeht, ist eine andere Frage.

Was Studien zu Lollipopping und Ertrag zeigen

Genau das wurde in derselben Studie direkt getestet: Sie verglich Topping, das Entfernen von Seitentrieben (die Lollipop-Behandlung) und unbehandelte Kontrollpflanzen. Das Ergebnis überrascht viele Erwartungen: Getoppte Pflanzen bildeten signifikant mehr Blüten- und Blattmasse als lollipoppte und unbehandelte Pflanzen – zwischen Lollipopping und der unbehandelten Kontrolle bestand dagegen kein signifikanter Unterschied im Gesamtertrag. Das Entfernen der unteren Seitentriebe allein steigerte den Ertrag in diesem Versuch also nicht messbar.

Ein anderes Bild zeigt eine Untersuchung an deutlich größeren Gewächshauspflanzen von etwa 2,5 m Höhe: Dort erhöhte das Entfernen unterer Äste und Blätter die Lichtdurchdringung in den Bestand und damit lokal sowohl den Cannabinoidgehalt als auch dessen Gleichmäßigkeit über die Pflanze hinweg. Der Unterschied zwischen beiden Ergebnissen liegt vermutlich vor allem an der Pflanzengröße: Bei kleinen, kompakten Indoor-Pflanzen fällt weniger Schatten auf die unteren Bereiche als bei großen, buschigen Pflanzen, bei denen sich die Lichtdurchdringung durch gezieltes Auslichten stärker verbessern lässt.

Luftzirkulation und Fäulnisrisiko im unteren Bestand

Neben dem Ertrag wird Lollipopping oft mit besserer Durchlüftung begründet. Eine Untersuchung an Cannabis unter Gewächshausbedingungen fand, dass sich Grauschimmel (Botrytis cinerea) bei moderaten 17 bis 24 °C bereits ab etwa 70 % relativer Luftfeuchte rasch entwickeln kann. Ein dichter unterer Bestand mit vielen kleinen, schlecht durchlüfteten Trieben begünstigt genau ein solches feuchtes Mikroklima. Botrytis zählt neben weiteren Pilzen zu den wichtigsten Erregern, die Blütenstände und Cannabis-Erträge insgesamt beeinträchtigen.

Eine direkte Studie, die für Cannabis belegt, wie stark Lollipopping das Krankheitsrisiko im unteren Bestand konkret senkt, gibt es bisher nicht. Der Mechanismus – weniger Blattmasse, mehr Luftbewegung, trockeneres Mikroklima – ist aber plausibel und deckt sich mit dem allgemeinen Zusammenhang zwischen Luftfeuchte und Pilzwachstum.

Lollipopping Schritt für Schritt

  1. Zeitpunkt wählen. Am gebräuchlichsten ist ein Durchgang beim Umstellen auf die Blüte, solange die unteren Triebe noch klein sind.

  2. Bereich festlegen. Bestimme das untere Drittel oder den Bereich, der am wenigsten Licht abbekommt, als Zielzone.

  3. Kleine Triebe entfernen. Schneide dünne, schwach entwickelte Seitentriebe und ihre Blätter mit einer desinfizierten Schere ab, nicht die tragenden Haupttriebe.

  4. Größere untere Blütenstände abwägen. Bereits gut entwickelte untere Blütenansätze musst du nicht zwingend entfernen; hier hilft eine Einzelfallentscheidung nach Lichtsituation.

  5. Bestand beobachten. Kontrolliere in den folgenden Tagen, ob sich die Luftzirkulation im unteren Bereich spürbar verbessert hat, statt den Eingriff routinemäßig zu wiederholen.

Typische Fehler beim Lollipopping

  • Einen sicheren Ertragsvorteil erwarten. Die vorliegende Studie fand keinen signifikanten Unterschied zu unbehandelten Pflanzen – der Nutzen liegt eher in Arbeitsersparnis und Durchlüftung als in garantiertem Mehrertrag.

  • Zu viel auf einmal entfernen. Wer neben kleinen Seitentrieben auch große, tragende Äste kappt, verliert unnötig Blattmasse und Photosyntheseleistung.

  • Zu spät in der Blüte noch eingreifen. Große Wunden kurz vor der Ernte erhöhen das Risiko für Fäulnis an Stellen, die kaum noch Zeit zum Verheilen haben.

  • Lollipopping mit Entlaubung gleichsetzen. Beide Techniken zielen auf unterschiedliche Bereiche und Blatttypen und lassen sich ergänzen, aber nicht austauschen.

  • Luftzirkulation als alleinige Lösung sehen. Lollipopping kann die Durchlüftung im unteren Bestand verbessern, ersetzt aber keine ausreichende Abluftleistung und kein Klimamanagement.

  • Ergebnisse aus großen Gewächshauspflanzen unkritisch übertragen. Was bei 2,5 m hohen Pflanzen die Cannabinoid-Gleichmäßigkeit verbessert, muss bei kleinen, kompakten Indoor-Pflanzen nicht denselben Effekt haben.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Lollipopping und Entlaubung?

Lollipopping entfernt gezielt kleine Seitentriebe und Blätter im unteren Pflanzendrittel, damit dort möglichst wenig Blattmasse übrig bleibt. [Entlaubung](/wissen/entlaubung) meint dagegen das Entfernen einzelner großer Fächerblätter an der ganzen Pflanze, unabhängig von der Höhe, meist um Beschattung und Luftstau gezielt an einzelnen Stellen zu reduzieren. Beide Techniken lassen sich kombinieren.

Bringt Lollipopping wirklich mehr Ertrag?

Nicht zuverlässig. Eine Studie an medizinischem Cannabis fand keinen signifikanten Unterschied im Gesamtertrag zwischen lollipoppten und unbehandelten Pflanzen, während Topping allein zu deutlich mehr Blüten- und Blattmasse führte. Der Nutzen von Lollipopping liegt eher in Arbeitsersparnis beim Trimmen und weniger feuchtem unterem Bestand als in einem gesicherten Mehrertrag.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für Lollipopping?

Üblich ist ein Durchgang beim Umstellen auf die Blüte, solange die unteren Triebe noch klein und die Schnittwunden gut verheilbar sind. Ein Übersichtsartikel zu Trainingskombinationen beschreibt Lollipopping ausdrücklich als Schritt, der zusammen mit Topping und Herunterbinden zu Beginn der Blüte angewendet wird.

Sollte ich die unteren Blütenansätze später in der Blüte auch noch entfernen?

Davon ist eher abzuraten. Je später in der Blüte, desto größer die Wunden im Verhältnis zur verbleibenden Zeit zur Heilung, und desto näher liegen offene Schnittstellen an bereits reifenden Blüten. Ein einmaliger, früher Durchgang ist deshalb meist sinnvoller als wiederholtes Nachschneiden.

Verbessert Lollipopping die Luftzirkulation wirklich messbar?

Direkte Cannabis-Studien dazu fehlen. Bekannt ist aber, dass sich Grauschimmel (Botrytis cinerea) bei Cannabis schon ab etwa 70 % relativer Luftfeuchte rasch entwickeln kann – ein Bereich, der in einem dichten, unbelüfteten unteren Bestand leicht erreicht wird. Weniger Blattmasse unten kann diesen Feuchtestau plausibel verringern, auch ohne dass es für Cannabis gezielt gemessen wurde.

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Quellen

  1. Impact of Harvest Time and Pruning Technique on Total CBD Concentration and Yield of Medicinal Cannabis Crispim Massuela, Hartung, Munz, Erpenbach, Graeff-Hönninger – Plants 11, 2022Verglich Topping, Entfernen der Seitentriebe (Lollipop) und Kontrolle: Topping ergab signifikant mehr Biomasse, Lollipop unterschied sich nicht signifikant von der Kontrolle. Unteres Drittel hatte die geringste CBD-Konzentration (7,7 % vs. 9,9 % oben).
  2. Shape Matters: Plant Architecture Affects Chemical Uniformity in Large-Size Medical Cannabis Plants Danziger, Bernstein – Plants 10, 2021An großen Gewächshauspflanzen erhöhte das Entfernen unterer Äste und Blätter die Lichtdurchdringung und dadurch lokal Cannabinoidgehalt und -gleichmäßigkeit – ein positiverer Befund als bei kleineren Pflanzen, zeigt aber auch, wie stark das Ergebnis von Pflanzengröße und System abhängt.
  3. Understanding bud rot development, caused by Botrytis cinerea, on cannabis (Cannabis sativa L.) plants grown under greenhouse conditions Mahmoud, BenRejeb, Punja, Buirs, Jabaji – Botany 101, 2023Grauschimmel entwickelt sich bei Cannabis bereits bei moderaten 17–24 °C rasch, sobald die relative Luftfeuchte über etwa 70 % liegt.
  4. Pathogens and Molds Affecting Production and Quality of Cannabis sativa L. Punja, Collyer, Scott, Lung, Holmes, Sutton – Frontiers in Plant Science 10, 2019Übersicht zu Erregern an Cannabis-Blütenständen, u. a. Botrytis- und Penicillium-Fäule; Schnittwunden und mechanische Bearbeitung können als Eintrittspforten für Pilze dienen.
  5. Shade Avoidance Casal – The Arabidopsis Book, 2012Übersichtsarbeit: Beschattete Pflanzenteile erkennen den Lichtmangel über Phytochrome und entwickeln sich schwächer – erklärt, warum untere, stark beschattete Blütenansätze von Natur aus im Nachteil sind.

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