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Klima während der Blüte: Temperatur und Luftfeuchtigkeit richtig einstellen

Von Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit

Kurz erklärt

In der Blüte gelten etwa 20 bis 26 °C und 40 bis 55 % relative Luftfeuchtigkeit als Richtwerte, wobei die Luftfeuchtigkeit zum Ende hin auf etwa 40 bis 50 % sinken sollte. Eine Studie an Cannabis fand, dass hohe Luftfeuchtigkeit während der Blüte den Cannabinoidgehalt deutlich senkte und die Blütenbildung um mehrere Wochen verzögerte. Zu niedrige Luftfeuchtigkeit kann dagegen die Photosynthese bremsen. Beide Extreme sind zu vermeiden, und mit zunehmender Blütendichte sinkt zudem die Toleranz gegenüber hoher Feuchtigkeit, weil sich Schimmelrisiken erhöhen.

Inhalt(7 Abschnitte)

Richtwerte auf einen Blick

Temperatur Blüte
ca. 20–26 °CRichtwert; Photosyntheseoptimum bei Cannabis lag in einer Studie bei ca. 25–30 °C (Chandra et al. 2008)
Luftfeuchtigkeit Blüte
ca. 40–55 %, spät ca. 40–50 %Richtwert; sinkende Tendenz zum Ende der Blüte
VPD Blüte
ca. 1,0–1,5 kPaZielbereich für gute Transpiration ohne Trockenstress
Zu hohe Luftfeuchtigkeit
verzögerte Blüte, senkte Cannabinoidgehalt deutlichVPD 0,25–0,62 kPa in einer Studie (Corredor-Perilla et al. 2025)

Warum das Klima in der Blüte besondere Aufmerksamkeit braucht

In der Blüte reagiert Cannabis empfindlicher auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit als in der Wachstumsphase, weil sich gleichzeitig große, dichte Blütenstände bilden und der Stoffwechsel auf die Produktion von Cannabinoiden und Terpenen umstellt. Eine aktuelle Studie hat diesen Zusammenhang für die Luftfeuchtigkeit direkt gemessen: Pflanzen unter dauerhaft hoher relativer Luftfeuchtigkeit (78–98 %) entwickelten sich rund drei Wochen langsamer als Pflanzen unter niedrigerer Luftfeuchtigkeit (37–58 %), bildeten deutlich weniger Biomasse und wiesen einen spürbar geringeren Cannabinoidgehalt auf. Das zeigt: Klimaführung in der Blüte ist kein reines Komfortthema, sondern beeinflusst messbar Entwicklung und Ertrag.

Temperatur: Richtwerte und Photosyntheseoptimum

Ein gängiger Richtwert für die Blüte liegt bei etwa 20 bis 26 °C. Eine ältere, aber häufig zitierte Untersuchung zur Photosynthese von Cannabis testete Temperaturen zwischen 20 und 40 °C und fand das Optimum für die Photosyntheserate bei 25 bis 30 °C; oberhalb von 30 °C nahmen sowohl Photosyntheserate als auch Wassernutzungseffizienz wieder ab. Das erklärt, warum viele Anbauer im oberen Bereich des Richtwerts fahren, ohne die Marke von etwa 28 bis 30 °C dauerhaft zu überschreiten – höhere Temperaturen bremsen eher, als dass sie das Wachstum beschleunigen.

Wichtiger als eine einzelne Zieltemperatur ist Konstanz: Große Schwankungen zwischen Tag und Nacht oder plötzliche Hitzespitzen belasten die Pflanze zusätzlich. Wie sich ausgeprägter Hitzestress äußert und wie du ihn vermeidest, beschreibt der Artikel zu Hitzestress.

Luftfeuchtigkeit und VPD über den Verlauf der Blüte

Die relative Luftfeuchtigkeit sollte in der Blüte tendenziell sinken: Richtwerte liegen bei etwa 40 bis 55 % in der frühen und mittleren Blüte und bei etwa 40 bis 50 % in der späten Blüte. Dahinter steckt neben dem oben beschriebenen Effekt auf Wachstum und Cannabinoidgehalt auch ein praktischer Grund: Größere, dichter werdende Blütenstände trocknen im Inneren langsamer ab und bieten damit mehr Angriffsfläche für Schimmel und Fäulnis. Eine Untersuchung zu Krankheitserregern an Cannabis dokumentiert Botrytis-, Penicillium- und Fusarium-Fäulnis an Blütenständen als wiederkehrendes Problem im Indoor-Anbau – wie du das erkennst und vorbeugst, beschreibt der Artikel zu Botrytis und Grauschimmel.

Für die Feinsteuerung nutzen viele Anbauer statt der reinen Prozentzahl das VPD (vapor pressure deficit, Sättigungsdefizit), das Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu einer Kennzahl zusammenführt. Ein üblicher Zielbereich für die Blüte liegt bei etwa 1,0 bis 1,5 kPa. Die oben genannte Studie zu hoher Luftfeuchtigkeit maß dabei VPD-Werte von nur 0,25 bis 0,62 kPa – deutlich unterhalb dieses Zielbereichs – und genau in diesem Fall zeigten sich die stärksten negativen Effekte auf Wachstum und Cannabinoidgehalt. Die Grundlagen von VPD und relativer Luftfeuchtigkeit erklärt ausführlich der Artikel zur relativen Luftfeuchtigkeit.

Zu trockene Luft ist ebenfalls keine Lösung: Fällt die Luftfeuchtigkeit deutlich unter den Richtwert, schließen sich die Spaltöffnungen der Blätter zum Schutz vor Wasserverlust, was wiederum die Photosynthese bremst. Ziel ist ein mittlerer Bereich, kein Extrem in eine der beiden Richtungen.

In der Praxis lässt sich die Absenkung der Luftfeuchtigkeit über die Blüte grob in drei Abschnitte gliedern: In der frühen Blüte, während noch der Stretch abläuft, sind Werte am oberen Ende des Richtwerts unproblematisch. Mit zunehmender Blütendichte in der mittleren Phase lohnt sich eine schrittweise Absenkung, und in den letzten ein bis zwei Wochen vor der Ernte hat sich der untere Bereich um 40 bis 45 % bewährt, sofern das restliche Klima das zulässt. Eine feste Tabelle mit Tagesangaben gibt es dafür nicht, weil Sortendichte, Topfzahl und Raumgröße zu unterschiedlich sind – die Kontrolle über ein Hygrometer im Blütenbereich ersetzt keine pauschale Vorgabe.

Licht, Transpiration und Klima zusammen denken

Klima und Licht lassen sich in der Blüte nicht getrennt betrachten. Eine Studie zu steigender Lichtintensität in der Blüte fand einen linearen Zusammenhang zwischen PPFD und Ertrag bis zu sehr hohen Werten – mehr Licht bedeutet aber auch mehr Transpiration und damit einen höheren Anspruch an die Klimatechnik. Wer die Lichtintensität erhöht, sollte deshalb parallel prüfen, ob Abluft und Umluft ausreichen, um Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Zielbereich zu halten. Mehr zum Zusammenspiel von Lichtstärke und Ertrag beschreibt der Artikel zum Licht während der Blüte.

Typische Fehler bei der Klimaführung in der Blüte

  • Luftfeuchtigkeit über die gesamte Blüte konstant hochhalten. Was in der frühen Blüte noch unproblematisch ist, erhöht in der späten, dichten Blüte unnötig das Schimmelrisiko.

  • Nur die Prozentzahl der Luftfeuchtigkeit im Blick behalten, nicht die Temperatur. VPD entsteht erst aus dem Zusammenspiel beider Werte – dieselbe Luftfeuchtigkeit kann je nach Temperatur ein ganz unterschiedliches VPD ergeben.

  • Sehr niedrige Luftfeuchtigkeit für „sicherer gegen Schimmel" halten. Zu trockene Luft bremst die Photosynthese und ist kein Ziel für sich.

  • Mehr Licht ohne Anpassung der Klimatechnik einsetzen. Höhere Lichtintensität erhöht den Transpirationsbedarf; ohne ausreichende Abluft steigen Temperatur und Luftfeuchtigkeit unkontrolliert mit.

  • Kurzfristige Messausreißer überbewerten. Einzelne Spitzen durch Gießen oder Türöffnen sind normal; entscheidend ist der Durchschnitt über den Tag.

Häufige Fragen

Was ist VPD und warum ist es für die Blüte wichtig?

VPD (vapor pressure deficit, Sättigungsdefizit) beschreibt, wie viel zusätzliche Feuchtigkeit die Luft bei gegebener Temperatur noch aufnehmen könnte. Ein passendes VPD hält die Spaltöffnungen der Blätter offen, sodass Photosynthese und Nährstofftransport gut funktionieren. Die Grundlagen erklärt der Artikel zur relativen Luftfeuchtigkeit.

Warum sollte die Luftfeuchtigkeit zum Ende der Blüte sinken?

Zwei Gründe kommen zusammen: Große, dichte Blütenstände trocknen im Inneren langsamer ab und bieten dadurch mehr Angriffsfläche für Schimmel, und eine Studie fand, dass anhaltend hohe Luftfeuchtigkeit während der Blüte den Cannabinoidgehalt deutlich senkte. Eine schrittweise Absenkung Richtung 40 bis 50 % reduziert beide Risiken.

Wie schnell wirkt sich zu hohe Luftfeuchtigkeit aus?

In einer Studie mit dauerhaft hoher relativer Luftfeuchtigkeit (78–98 %) verzögerte sich die Blütenentwicklung um rund drei Wochen gegenüber niedrigerer Luftfeuchtigkeit, und Biomasse sowie Cannabinoidgehalt fielen deutlich geringer aus. Kurze, vereinzelte Ausreißer sind weniger kritisch als ein dauerhaft zu feuchtes Klima.

Ist zu trockene Luft in der Blüte ebenfalls ein Problem?

Ja. Fällt die Luftfeuchtigkeit deutlich unter den Richtwert, schließen sich die Spaltöffnungen der Blätter aus Schutz vor Wasserverlust, was die Photosynthese bremst. Ziel ist deshalb ein Mittelweg, keine möglichst trockene Luft.

Muss ich Temperatur und Luftfeuchtigkeit über die ganze Blüte gleich halten?

Nein. Während die Temperatur meist im gesamten Verlauf ähnlich bleiben kann, sinkt die empfohlene Luftfeuchtigkeit mit fortschreitender Blüte, weil die Blütenstände dichter werden und empfindlicher auf Feuchtigkeit reagieren. Der Übergang lässt sich über mehrere Wochen schrittweise gestalten.

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Quellen

  1. Elevated relative humidity significantly decreases cannabinoid concentrations while delaying flowering development in Cannabis sativa L. Corredor-Perilla, Kwon, Park – Frontiers in Plant Science 16, 2025Hohe Luftfeuchtigkeit (78–98 % rF, VPD 0,25–0,62 kPa) verzögerte die Blüte um rund drei Wochen und senkte Biomasse und Cannabinoidgehalt deutlich gegenüber niedrigerer Luftfeuchtigkeit (37–58 % rF).
  2. Photosynthetic response of Cannabis sativa L. to variations in photosynthetic photon flux densities, temperature and CO2 conditions Chandra, Lata, Khan, ElSohly – Physiology and Molecular Biology of Plants 14, 2008Das gemessene Photosyntheseoptimum lag bei 25–30 °C; oberhalb von 30 °C nahmen Photosyntheserate und Wassernutzungseffizienz ab.
  3. Cannabis Yield, Potency, and Leaf Photosynthesis Respond Differently to Increasing Light Levels in an Indoor Environment Rodriguez-Morrison, Llewellyn, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Höhere Lichtintensität in der Blüte steigert Ertrag und Transpirationsbedarf – ein Grund, Klimaführung und Lichtstärke gemeinsam zu betrachten.
  4. Pathogens and Molds Affecting Production and Quality of Cannabis sativa L. Punja, Collyer, Scott, Lung, Holmes, Sutton – Frontiers in Plant Science 10, 2019Dokumentiert Botrytis-, Penicillium- und Fusarium-Fäulnis an Blütenständen indoor angebauter Pflanzen – Hintergrund für die Vorsicht bei hoher Luftfeuchtigkeit in dichten Blüten.

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