Licht während der Blüte: Intensität, Photoperiode und Spektrum
Kurz erklärt
In der Blüte gilt eine PPFD von etwa 600 bis 1.000 µmol/m²/s als Richtwert, wobei eine Studie einen linearen Anstieg des Ertrags bis 1.800 µmol/m²/s fand, ohne dass sich der Cannabinoidgehalt dadurch veränderte. Wichtiger als eine sehr hohe Intensität ist eine lückenlose, mindestens zwölfstündige Dunkelphase, weil schon kurze Unterbrechungen den Blühverlauf stören können. Eingriffe ins Lichtspektrum wie zusätzliches UV-B oder Fernrot wirken in Studien uneinheitlich und sortenabhängig und sind keine verlässliche Methode, um Ertrag oder Wirkstoffgehalt gezielt zu steigern.
Inhalt(7 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- PPFD Blüte
- ca. 600–1.000 µmol/m²/sRichtwert; höher nur mit sehr gutem Klima und ausreichender CO2-Versorgung
- Getestete Spanne in einer Studie
- 120–1.800 µmol/m²/sErtrag stieg linear, Cannabinoidgehalt blieb unverändert (Rodriguez-Morrison et al. 2021)
- Dunkelphase
- mindestens 12 h ununterbrocheneinige Sorten blühten in einer Studie auch bei bis zu 13–14 h Licht, mit Verzögerung
- UV-B zur Wirkstoffsteigerung
- in Studien ohne Ertrags- oder Cannabinoidvorteilverstärkte Stresssymptome wie Narbenbraunfärbung (Rodriguez-Morrison et al. 2021)
Wie viel Licht die Blüte tatsächlich braucht
Mit der Blüteeinleitung steigt der Lichtbedarf gegenüber der Wachstumsphase deutlich an. Als Richtwert für die Blüte gilt eine PPFD (photosynthetic photon flux density – die Zahl der Photonen, die pro Sekunde auf einen Quadratmeter treffen) von etwa 600 bis 1.000 µmol/m²/s. Was die Zahl konkret bedeutet und wie du sie misst, erklärt der Artikel zu PPFD.
Eine Studie an Cannabis in der Blüte hat die Wirkung deutlich höherer Werte systematisch untersucht: Bei PPFD-Stufen von 120 bis 1.800 µmol/m²/s stieg der Trockenertrag der Blütenstände linear mit der Lichtintensität, ohne dass sich der Cannabinoidgehalt dabei veränderte. Die Blattphotosynthese selbst sättigte allerdings schon bei deutlich niedrigeren Werten als der Ertrag weiter zunahm – ein Hinweis darauf, dass zusätzliches Licht vor allem mehr und dichtere Blütenmasse an der gesamten Pflanze erzeugt, nicht nur einzelne Blätter effizienter arbeiten lässt. Für die Praxis heißt das: Mehr Licht kann mehr Ertrag bringen, aber nur, wenn Wärmeabfuhr, Luftfeuchtigkeit und CO2-Versorgung mithalten – sonst wird ein hoher PPFD-Wert schnell zum Stressfaktor statt zum Vorteil. Wie sich das mit dem übrigen Raumklima verträgt, beschreibt der Artikel zum Klima während der Blüte.
Die Dunkelphase: wichtiger als jede zusätzliche Lichtstunde
Bei photoperiodischen Sorten bleibt die ununterbrochene Dunkelphase der eigentliche Taktgeber der Blüte, nicht die Lichtintensität. Eine Untersuchung an zehn Sorten zeigte, dass Blühbeginn zwar auch bei Photoperioden von bis zu 14 Stunden Licht auftrat, sich aber je nach Sorte um bis zu rund vier Tage verzögerte; bei 15 Stunden Licht setzte bei manchen Sorten zwar noch eine Initiierung ein, die Blüte entwickelte sich danach aber nicht weiter. Das zeigt, wie empfindlich der Prozess auf die Länge der Dunkelphase reagiert.
Schon kleine Störungen können ähnlich wirken wie eine verlängerte Lichtphase: Streulicht durch Türritzen, Standby-LEDs oder Nachbarräume wirkt auf die Pflanze wie ein Lichtleck. Wie du solche Lecks aufspürst und was passiert, wenn die Dunkelphase über mehrere Tage gestört bleibt, beschreibt der Artikel zu Lichtlecks. Für die Lichtplanung in der Blüte bedeutet das: Eine zuverlässige, lückenlose Dunkelphase ist wichtiger als jedes zusätzliche Prozent an Lichtintensität.
Spektrum, UV-B und Fernrot: was Eingriffe wirklich bringen
Neben der reinen Intensität wird oft versucht, über das Lichtspektrum gezielt Ertrag oder Wirkstoffgehalt zu beeinflussen. Für zusätzliches UV-B-Licht als vermeintlichen Wirkstoffbooster liefert eine kontrollierte Studie ein klares Ergebnis: Weder Ertrag noch Cannabinoidgehalt stiegen durch die Zugabe, stattdessen verstärkten sich Stresssymptome wie eine Braunfärbung der Narbenfäden und eine geringere Photosyntheseleistung der Blätter. Die verbreitete Annahme, mehr UV-B mache automatisch potentere Blüten, lässt sich mit dieser Studie nicht stützen.
Beim Verhältnis von Rot- zu Fernrotlicht ist das Bild uneinheitlicher. Eine aktuelle Untersuchung zu zusätzlichem Fernrotlicht während der Blüte fand deutliche Unterschiede zwischen Sorten: Je nach Genetik und genauer Anwendung veränderten sich Pflanzenhöhe und Cannabinoidertrag unterschiedlich stark, ohne einen einheitlichen Effekt über alle getesteten Sorten hinweg. Grundlagen zu Lichtfarben und ihrer Wirkung erklärt der Artikel zum Lichtspektrum; für die Praxis folgt daraus vor allem Zurückhaltung gegenüber pauschalen Versprechen zu Spektrum-Tricks in der Blüte.
Lampenabstand und Gleichmäßigkeit in der Blüte
Mit steigender Lichtintensität wird auch der richtige Abstand zwischen Lampe und Blätterdach wichtiger, um Lichtstress an den obersten Blüten zu vermeiden und gleichzeitig untere Bereiche nicht zu unterversorgen. Der Artikel Abstand zur Pflanze beschreibt, wie du diesen Abstand an die jeweilige Lampenleistung anpasst. Weil sich die Blütenstände über die Blüte hinweg verdichten und teils ungleichmäßig wachsen, lohnt sich eine erneute Kontrolle der Gleichmäßigkeit einige Wochen nach der Umstellung, nicht nur einmal am Anfang.
Auch die tägliche Lichtsumme (DLI, die über den ganzen Tag summierte Photonenmenge) hilft, Lichtentscheidungen in der Blüte einzuordnen, weil sie PPFD und Beleuchtungsdauer zu einer Zahl zusammenführt. Bei 12 Stunden Licht und einer PPFD von 800 bis 1.000 µmol/m²/s ergibt sich eine DLI von rund 35 bis 43 mol/m²/Tag. Wie du diesen Wert berechnest und wofür er sich eignet, erklärt der Artikel zu DLI.
Typische Fehler beim Licht in der Blüte
Die PPFD ohne Rücksicht auf das Klima maximal hochfahren. Ein hoher Wert bringt nur dann mehr Ertrag, wenn Abluft, Luftfeuchtigkeit und CO2-Versorgung mithalten – sonst überwiegt der Stress.
Kleine Lichtstörungen in der Dunkelphase unterschätzen. Schon kurzes Streulicht kann den Blühverlauf verzögern, auch wenn die PPFD tagsüber optimal eingestellt ist.
UV-B oder Fernrot als verlässlichen Trick für mehr Wirkstoffgehalt einplanen. Beide Eingriffe zeigten in Studien uneinheitliche oder sogar negative Effekte, keinen verlässlichen Vorteil.
Den Lampenabstand nur einmal zu Beginn der Blüte einstellen. Mit wachsender Blütendichte und Pflanzenhöhe verändert sich die optimale Distanz im Verlauf der Blüte mit.
Ertrag allein an der Lichtintensität festmachen. Ohne passendes Klima und ausreichende Nährstoffversorgung bleibt zusätzliches Licht wirkungslos oder schädlich.
Häufige Fragen
Wie viel Licht braucht Cannabis in der Blüte?
Ein gängiger Richtwert liegt bei etwa 600 bis 1.000 µmol/m²/s PPFD. Eine Studie fand zwar einen linearen Ertragsanstieg bis 1.800 µmol/m²/s, doch dafür braucht es zugleich ein sehr gutes Klima mit ausreichender Abluft und meist zusätzlichem CO2 – ohne das steigt das Risiko für Hitze- und Trockenstress stärker als der Ertrag.
Muss ich die Lichtintensität beim Umstieg auf Blüte sofort erhöhen?
Nein, ein schrittweiser Anstieg über ein bis zwei Wochen reicht aus und ist schonender für die Pflanze. Mehr dazu beschreibt der Artikel zum Übergang zur Blüte vorbereiten.
Was passiert, wenn die Dunkelphase in der Blüte unterbrochen wird?
Schon kurzes Streulicht kann wie ein Lichtleck wirken und den weiteren Blühverlauf stören oder verzögern. Länger anhaltende Störungen können nach Studienlage sogar dazu führen, dass sich ein begonnener Blütenstand teilweise wieder auflöst. Mehr dazu im Artikel zu Lichtlecks.
Bringt zusätzliches UV-B oder Fernrotlicht mehr Ertrag?
Nicht zuverlässig. Eine Studie fand durch zusätzliches UV-B weder mehr Ertrag noch mehr Cannabinoide, dafür aber verstärkte Stresssymptome. Fernrotlicht kann Höhe und Ertrag beeinflussen, wirkte in einer aktuellen Untersuchung aber stark sorten- und einstellungsabhängig, teils mit höherem, teils mit unverändertem Wirkstoffgehalt.
Können Autoflower-Pflanzen mit den gleichen PPFD-Werten blühen?
Grundsätzlich gelten ähnliche Lichtrichtwerte für die Blütephase, unabhängig von der Photoperiode. Autoflower-Pflanzen laufen aber häufig durchgehend mit einem langen Lichttag, wodurch sich die tägliche Lichtmenge (DLI) anders zusammensetzt als bei einer 12/12-Umstellung.
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DLI: Wie berechnest du die Tageslichtsumme deiner Pflanzen?
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Quellen
- Cannabis Yield, Potency, and Leaf Photosynthesis Respond Differently to Increasing Light Levels in an Indoor Environment Rodriguez-Morrison, Llewellyn, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Ertrag stieg mit steigender PPFD von 120 bis 1.800 µmol/m²/s linear an, ohne messbaren Effekt auf die Cannabinoidpotenz; Blattphotosynthese sättigte dagegen bei deutlich niedrigeren Werten.
- Cannabis Inflorescence Yield and Cannabinoid Concentration Are Not Increased With Exposure to Short-Wavelength Ultraviolet-B Radiation Rodriguez-Morrison, Llewellyn, Zheng – Frontiers in Plant Science 12, 2021Zusätzliches UV-B erhöhte weder Ertrag noch Cannabinoidgehalt und verstärkte stattdessen Stresssymptome wie Narbenbraunfärbung und reduzierte Photosyntheseleistung.
- The effects of far-red light on medicinal Cannabis Peterswald, Mieog, Kretzschmar, Purdy – Scientific Reports 15, 2025Zusätzliches Fernrotlicht veränderte Pflanzenhöhe und Cannabinoidertrag stark sortenabhängig – kein einheitlicher Effekt über verschiedene Genetiken hinweg.
- Is Twelve Hours Really the Optimum Photoperiod for Promoting Flowering in Indoor-Grown Cultivars of Cannabis sativa? Ahrens, Llewellyn, Zheng – Plants 12, 2023Flowering Initiation trat bei zehn Sorten unter Photoperioden bis 14 h Licht auf, mit sortenabhängiger Verzögerung von bis zu rund vier Tagen gegenüber 12/12.
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