Glossar: Die wichtigsten Grow-Begriffe
Kurz erklärt
Dieses Glossar erklärt die Fachbegriffe, die in Wissensartikeln zum Cannabis-Eigenanbau am häufigsten vorkommen, gruppiert nach Pflanzenentwicklung, Licht und Klima, Substrat und Wasser, Training sowie Ernte und Nachbereitung. Jede Definition ist bewusst kurz gehalten und verlinkt auf einen ausführlichen Artikel, der Hintergründe, Richtwerte und Quellen liefert. Am Ende stehen Begriffe, die Einsteiger besonders häufig verwechseln.
Inhalt(8 Abschnitte)
Richtwerte auf einen Blick
- PAR-Bereich
- 400–700 nmWellenlängen, die Pflanzen für die Photosynthese nutzen
- pH Erde
- ca. 6,0–7,0Richtwert für gute Nährstoffverfügbarkeit
- EC-Wert
- elektrische Leitfähigkeit der Nährlösunggrobes Maß für die gelöste Salzmenge, nicht für einzelne Nährstoffe
- Cannabis
- zweihäusige Pflanze (getrennte männliche und weibliche Pflanzen)
Pflanzenentwicklung
Diese Begriffe beschreiben die Lebensphasen einer Cannabispflanze vom Samen bis zur Ernte.
Keimung – der Übergang vom ruhenden Samen zum Keimling, sichtbar am Durchbrechen der Keimwurzel durch die Samenschale. Mehr dazu im Artikel Keimprozess biologisch verstehen.
Sämling – die junge Pflanze in den ersten ein bis drei Wochen nach der Keimung, in denen sie noch von den Keimblättern mitversorgt wird. Grundlagen liefert die Kategorie Sämlinge.
Wachstumsphase (Veg) – der Abschnitt, in dem die Pflanze vor allem Blätter, Triebe und Wurzeln bildet, ohne bereits Blüten anzusetzen. Details im Artikel Übergang in die vegetative Phase.
Blüte – die Phase, in der sich Blütenstände entwickeln und Trichome bilden. Wie sie ausgelöst wird, erklärt der Artikel Blüteeinleitung.
Photoperiode – die tägliche Licht-Dunkel-Verteilung, die bei photoperiodischen Sorten den Zeitpunkt der Blüte steuert. Mehr im Artikel photoperiodische Pflanzen.
Autoflower – eine Sortengruppe, die unabhängig von der Beleuchtungsdauer nach einer festen Zeit blüht. Details im Artikel Autoflower-Pflanzen.
Licht und Klima
Diese Begriffe tauchen bei jeder Diskussion über Lampen und Klimawerte auf.
PAR – der Wellenlängenbereich von 400 bis 700 nm, den Pflanzen für die Photosynthese nutzen. Mehr dazu im Artikel PAR.
PPFD – die Zahl der PAR-Photonen, die pro Sekunde auf einen Quadratmeter treffen, angegeben in µmol/m²/s. Details im Artikel PPFD.
DLI – die Tageslichtsumme: PPFD multipliziert mit der Beleuchtungsdauer, angegeben in mol/m²/Tag. Mehr im Artikel DLI.
VPD – der Dampfdruckunterschied zwischen Blatt und Luft, ein Maß dafür, wie stark eine Pflanze Wasser verdunstet. Details im Artikel VPD verstehen.
Lichtspektrum – die Verteilung des Lichts einer Lampe auf die Wellenlängen, etwa Blau-, Grün-, Rot- und Far-Red-Anteil. Mehr im Artikel Lichtspektrum.
Substrat und Wasser
Diese Begriffe betreffen Wurzelraum, Gießwasser und Nährlösung.
pH-Wert – ein Maß dafür, wie sauer oder basisch Substrat oder Nährlösung sind; er beeinflusst, wie gut Nährstoffe aufgenommen werden können. Grundlagen im Artikel pH-Grundlagen.
EC-Wert – die elektrische Leitfähigkeit der Nährlösung, ein grobes Maß für die insgesamt gelöste Salzmenge, ohne einzelne Nährstoffe zu unterscheiden. Mehr im Artikel EC-Grundlagen.
Coco (Kokossubstrat) – ein Substrat aus den Fasern der Kokosnussschale mit wenig eigenem Nährstoffpuffer, das meist mit einer vollständigen Nährlösung bewässert wird. Details im Artikel Kokossubstrat.
Living Soil – ein Substrat, dessen Bodenleben organisches Material dauerhaft in pflanzenverfügbare Nährstoffe umwandelt, sodass mit der Zeit weniger zusätzlicher Dünger nötig ist. Aufbau und Pflege beschreibt der Artikel Living Soil anlegen.
Hydroponik – Anbau ohne festes Substrat, bei dem die Wurzeln direkt in einer Nährlösung stehen oder von ihr umspült werden. Mehr im Artikel Grundprinzip Hydroponik.
Training und Wachstumssteuerung
Diese Begriffe beschreiben Techniken, mit denen die Wuchsform gezielt verändert wird.
Topping – das Kappen der Haupttriebspitze, wodurch mehrere gleichwertige Seitentriebe entstehen. Details im Artikel Topping.
Low Stress Training (LST) – das Herunterbinden von Trieben ohne Schnitt, um ein gleichmäßigeres Blätterdach zu formen. Mehr im Artikel Low Stress Training.
SCROG (Screen of Green) – das Führen der Triebe durch ein horizontales Gitter, um die Fläche unter der Lampe gleichmäßig zu füllen. Details im Artikel SCROG.
Entlaubung – das gezielte Entfernen einzelner Blätter, meist um Licht und Luft ins Innere der Pflanze zu bringen. Mehr im Artikel Entlaubung.
Ernte und Nachbereitung
Diese Begriffe betreffen die letzten Wochen vor und nach der Ernte.
Trichome – die harzigen Drüsenköpfchen auf Blüten und Blättern, die während der Reife Form und Inhaltsstoffe verändern und deshalb als Reifeindikator dienen. Mehr im Artikel Trichome als Reifeindikator.
Trocknung – der Entzug von Wasser aus den geernteten Blüten unter kontrollierter Temperatur und Luftfeuchte. Details im Artikel Trocknungsraum.
Curing – das langsame Aushärten getrockneter Blüten in geschlossenen Behältern, um Feuchtigkeit auszugleichen. Mehr im Artikel Curing-Grundlagen.
Häufige Verwechslungen
Indica/Sativa und Genetik. Genetische Studien zeigen, dass als Indica oder Sativa bezeichnete Proben sich im Erbgut kaum unterscheiden lassen; die Begriffe sagen wenig über tatsächliche Genetik oder Inhaltsstoffe aus. Mehr im Artikel Indica, Sativa, Hybrid.
Feminisiert, regulär und Autoflower. Feminisiert und regulär betreffen das Geschlecht der Nachkommen, Autoflower dagegen den Blühauslöser – beide Eigenschaften sind unabhängig voneinander. Details in den Artikeln feminisierte Samen und reguläre Samen.
pH und EC. Beide Werte werden oft in einem Atemzug genannt, messen aber Unterschiedliches: pH die Säure, EC die Salzkonzentration. Ein hoher EC-Wert sagt nichts über den pH-Wert aus und umgekehrt.
Vergeilen und normale Streckung. Ein gewisses Längenwachstum nach der Blüteumstellung ist normal; vergeilte, fadendünne Sämlinge dagegen sind ein Lichtmangelsymptom. Der Unterschied wird im Artikel Vergeilen erklärt.
PAR und PPFD. PAR benennt den nutzbaren Wellenlängenbereich, PPFD misst die tatsächlich ankommende Photonenmenge darin – beide Begriffe werden häufig synonym, aber nicht korrekt verwendet.
Weitere Grundbegriffe im Zusammenhang beantwortet das FAQ für Einsteiger; einen Schritt-für-Schritt-Ablauf bietet der Artikel Der erste Indoor-Grow.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen PAR und PPFD?
PAR beschreibt den Wellenlängenbereich von 400 bis 700 nm, den Pflanzen für die Photosynthese nutzen. PPFD misst dagegen, wie viele Photonen aus diesem Bereich tatsächlich pro Sekunde auf einen Quadratmeter treffen. PAR ist also der Bereich, PPFD die gemessene Menge darin.
Was bedeutet EC genau, und wie hängt er mit pH zusammen?
EC (electrical conductivity, elektrische Leitfähigkeit) zeigt an, wie viele gelöste Salze insgesamt in der Nährlösung stecken, ohne einzelne Nährstoffe zu unterscheiden. Der pH-Wert beschreibt dagegen, wie sauer oder basisch die Lösung ist. Beide Werte sind unabhängig voneinander, beeinflussen aber gemeinsam, wie gut Nährstoffe aufgenommen werden können.
Was ist der Unterschied zwischen Topping, LST und SCROG?
Topping schneidet die Triebspitze ab, Low Stress Training (LST) bindet Triebe ohne Schnitt herunter, und SCROG (Screen of Green) führt die Triebe zusätzlich durch ein Gitter. Alle drei Techniken verteilen das Wachstum auf mehrere Triebspitzen, unterscheiden sich aber in Aufwand und Eingriffstiefe.
Was bedeutet Living Soil, und wie unterscheidet es sich von normaler Blumenerde?
Living Soil bezeichnet ein Substrat, das dauerhaft von Mikroorganismen, Pilzen und Kleinlebewesen bewohnt wird, die organisches Material laufend in pflanzenverfügbare Nährstoffe umwandeln. Normale Blumen- oder Anzuchterde ist dagegen meist auf eine Saison ausgelegt und wird überwiegend über zugesetzten Dünger versorgt. Der Aufbau eines solchen Substrats wird im Artikel Living Soil anlegen erklärt.
Was heißt photoperiodisch, und was ist eine Autoflower-Sorte?
Photoperiodische Sorten beginnen erst zu blühen, wenn die tägliche Dunkelphase lang genug ist, und lassen sich dadurch zeitlich steuern. Autoflower-Sorten blühen dagegen nach einer genetisch festgelegten Zeit, unabhängig von der Beleuchtungsdauer. Beide Begriffe beschreiben den Blühauslöser, nicht das Geschlecht der Pflanze.
Verwandte Themen
Der erste Indoor-Grow: Schritt für Schritt
FAQ: Häufige Fragen von Einsteigern
Living Soil anlegen: Von der Mischung bis zum ersten Grow
PPFD: Wie viel Licht kommt wirklich bei der Pflanze an?
Topping bei Cannabis: Wann und wie du die Triebspitze kappst
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Quellen
- Test of current definitions of photosynthetically active radiation against leaf photosynthesis data McCree – Agricultural Meteorology 10, 1972Grundlage der PAR-Definition: Photonenzählung zwischen 400 und 700 nm.
- From physics to fixtures to food: current and potential LED efficacy Kusuma, Pattison, Bugbee – Horticulture Research 7, 2020Grundlage für Photonenmaße wie PPFD und die Effizienzangabe µmol/J.
- An efficient RNA-seq-based segregation analysis identifies the sex chromosomes of Cannabis sativa Prentout, Razumova, Rhoné, Badouin, Henri, Feng, Käfer, Karlov – Genome Research 30, 2020Cannabis ist zweihäusig mit XY-Geschlechtschromosomen; Grundlage der Definition von männlich/weiblich.
- Cannabis labelling is associated with genetic variation in terpene synthase genes Watts, McElroy, Migicovsky, Maassen, van Velzen, Myles – Nature Plants 7, 2021Als Sativa und Indica bezeichnete Proben waren genomweit nicht unterscheidbar; Grundlage für den Hinweis im Abschnitt zu Verwechslungen.
- Compost Chemistry Cornell Waste Management Institute – Cornell CompostingGrundprinzip organischer Substrate: Mikroorganismen bauen organisches Material ab und setzen Nährstoffe frei, Basis der Living-Soil-Definition.
- Cannabis glandular trichomes alter morphology and metabolite content during flower maturation Livingston et al. – The Plant Journal 101, 2020Trichome verändern während der Reife Form und Inhaltsstoffe; Grundlage der Trichom-Definition.
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